Erfahrungen

von Linus: das war mein Jahr

Wie viele immer wieder von mir mitbekommen, passiert in meinem Leben ständig was. 2020 war für mich ein sehr besonderes Jahr. Dieser Post besteht eigentlich aus zwei Themen. Ich habe einfach aus meinem Kopf heraus geschrieben, was mir gerade kam. Also bleibt dran.

Viele würden das Jahr als sehr hart und herausfordernd beschreiben. Ich meine man hat von uns ein umdenken der Gesellschaft verlangt, welches in vielen Fällen Jahre dauert. Ja, für uns als Gesellschaft ist diese Situation eine echte Herausforderung. Corona hat unser Leben ziemlich auf dem Kopf gestellt. Auch wenn ich sehr viele schlimme Dinge dadurch passiert sind, sah ich für uns als Gesellschaft auch was positives. Wir haben uns anders kennenlernen können. Und nein, damit möchte ich nicht die negativen Dinge klein reden. Ganz im Gegenteil. Ich bedaure sehr das Menschen die ohnehin schon am Rande der Gesellschaft gelebt haben oder gerade so über die Runden kommen noch weiter gespaltet werden. Aber davon gibt es viele Texte. Ich möchte ohne die anderen Dinge klein zu reden auch was positives daraus ziehen. Viele von uns hatten Zeit auch die bisher kleinen Selbstverständlichkeiten als etwas ganz besonderes zu sehen. Ich war schon immer ein Mensch der aus jeder Situation versucht hat das positive zu sehen. Und auch das Virus hat einiges positives mitgebracht. Wir haben nach Möglichkeit gesucht, trotz Abstand zusammen zu sein und zusammen zu arbeiten. Wir haben so die Digitalisierung komplett neu entdeckt. Dies hat nicht nur das weitere Zusammenarbeiten ermöglicht, sondern auch eine Menge Teilhabe für Menschen mit Behinderung beispielsweise ermöglicht. Firmen haben ihre Internetpräsenz überdacht und moderner, barrierefreier gestaltet. Ich hatte eine Menge Aufträge die Barrierefreiheit von Websiten zu überprüfen. Wir haben Gesten und Freunde viel mehr und bewusster gesehen als zuvor.
Und bitte versteht mich echt nicht falsch. Ich möchte nichts verschönern oder verharmlosen. Auch ich habe dadurch sehr viele Probleme bekommen und einige zusätzliche Herausforderungen meistern müssen.

Zum Beispiel habe ich mich sehr viel mit der Frage beschäftigt wie Corona mit Assistenz kombinierbar ist. Fakt ist, dass ich auf Hilfe angewiesen bin aber dadurch ein hohes Risiko gehabt habe, mich anzustecken. Ich hatte zeitweise 13 Leute die mein Leben ermöglicht haben. Alle fahren täglich durch die Stadt und arbeiten sehr nah bei mir. Wie geht man damit um? Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll? Was ist, wenn ich mich anstecke? Alles ungeklärte Fragen, wo keiner eine wirkliche Antwort hat.

Sportlich war ich auf einem sehr guten Weg eine Menge zu erreichen, was nicht klappte.
Die Aufklärungsarbeit ist komplett ausgefallen, was auf einem guten Weg war, das noch mehr zu vertiefen.

Aber Schluss mit dem geheule.

Vielleicht könnt ihr auch mal in euch gehen und Schauen ob ihr aus der schwierigen Situation auch was positives mitnehmen konntet. Lasst es mich gerne wissen.

Eigentlich wollte ich in diesem Text auf was ganz anderes hinaus. Naja, so ist es halt wenn man sich mal Zeit nimmt und einfach los tippt.

Bei mir persönlich hat sich auch eine ganze Menge verändert. Nicht nur, das ich aus meinem Elternhaus ausgezogen bin und somit eine ganze Menge Selbständigkeit gewonnen habe. Weil ein Umzug nicht genug ist, habe ich es direkt nochmal gemacht. Also bin ich zwei mal umgezogen (; ich hatte Zeit mich neu zu entdecken.

Ich bin ein Thema angegangen welches ich schon Jahre lang spürte, aber nie für richtig gehalten habe und ehrlich gesagt auch etwas Angst hatte diesen Schritt zu gehen. Warum ich Angst hatte, schreibe ich gleich. Ich habe schon immer unterbewusst mich gerne in Kleidern vorgestellt. Mode war für mich eigentlich nie was wichtiges. Jetzt weiß ich warum. Das Sortiment welches ich zuvor bedient habe, war einfach nicht meins. Seit Anfang März trage ich jetzt Sachen aus der „Frauengadrobe“ und fühle mich so wohl dabei. Seitdem macht es mir enormen Spaß shoppen zu gehen, was ich zuvor echt ungern gemacht und es solange aufgeschoben habe, bis meine Kleidung mehr Löcher als Stoff hatten. Ich liebe es Kleider zu tragen. Aber warum hatte ich Angst davor?
Ich weiß das behinderte Menschen leider oft nicht alles vollwertige Person gesehen werden. Ich weiß auch dass es schwer ist als Mensch was anderes zu tun/tragen als das was von der Gesellschaft als „richtig“ gesehen wird. Diese Kombination hat mir Angst gemacht. Angst vor der Reaktion. Ich bin eigentlich ein echt selbstbewusster Mensch, der sich nicht so schnell aus seiner Bahn bringen lässt. Aber irgendwie hatte ich Angst.
Jetzt im Nachhinein war diese Angst vollkommen unbedingt. Ich habe so viele positive Kommentare erhalten und erstaunlicherweise auch Selbstverständlichkeit bekommen, als ob viele schon vorher mich so gesehen haben und eigentlich nur gewartet haben, bis ich es selbst endlich mal raffe. Was ich damit sagen möchte: versteckt euch nicht hinter euch selbst. Lebt das, wonach ihr euch in den Moment fühlt. Wenn ihr selbst mit dieser Entscheidung richtig fühlt wird das für eure Umwelt auch richtig.

Ich habe dieses Jahr echt gut gefüllt und bin vieles angegangen, was ich immer aufgeschoben habe.

Und mit diesen Worten wünsche ich euch eine schöne Weihnachtszeit. Genießt Sie.
Im nächsten Block wird es um meine Behinderung und deren Auswirkungen gehen. Also bis dahin.

Schriftgröße